Exercitium, ordo, coercio et exempla - die "Erzeugung des modernen Menschen"

Publikation: Beitrag in Buch/KonferenzbandBeitrag in Sammelwerk

Abstract

Komplexe moderne Organisationen funktionieren nicht zuletzt deshalb, weil ihre Angehörigen Fleiß, Gehorsam, Pflichtbewusstsein, Gewissenhaftigkeit, Pünktlichkeit und Loyalität gewissermaßen verinnerlicht haben. Diese oft als "Bürgertugenden" klassifizierten Verhaltensweisen sind dem Menschen aber nicht als eine Art von anthropologischer Grundausstattung von Natur aus mitgegeben, sondern sie stellen im Wesentlichen das Ergebnis eines sozialen Lernprozesses dar. Es ist dies zugleich ein Beispiel dafür, dass Verhaltensweisen und Einstellungen der Menschen als ein Ensemble ihrer sozialen Umstände durchaus veränderbar sind. Diese neu eingeforderten Eigenschaften treten an die Stelle der traditionalen Tugenden (άρετή), zu denen Gerechtigkeit, Standhaftigkeit, Klugheit, Weisheit und Ausgewogenheit zählten. Die neuen "bürgerlichen Tugenden", die auf eine erhöhte Effizienz abstellen, bewirken in ihrer internalisierten Form die vom "modernen Menschen" geforderte (Selbst)Disziplin; diese schließt nach Max Weber die innere Einstellung des Handelns auf den intendierten Zweck ein. So gesehen ist das vielleicht wichtigste Produkt des "Zeitalters der Aufklärung" der "neue Mensch", den es hervorbringt, der disziplinierte und konditionierte "Staatsbürger", der homo oeconomicus des modernen Kapitalismus, das als Einzelwesen konzipierte Individuum jenseits aller traditionalen Gemeinschaftsbindungen.
OriginalspracheDeutsch (Österreich)
Titel des SammelwerksInternationale Studien zur Geschichte von Wirtschaft und Gesellschaft
Herausgeber*innen Karl Hardach
ErscheinungsortFrankfurt am Main
VerlagPeter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften
Seiten603 - 633
ISBN (Print)9783631618806
PublikationsstatusVeröffentlicht - 1 Okt. 2012

Österreichische Systematik der Wissenschaftszweige (ÖFOS)

  • 502049 Wirtschaftsgeschichte

Zitat