TY - UNPB
T1 - Ein Jahrhundert wöchentlicher Arbeitszeitverkürzungen: Eine systematische Literaturübersicht und Meta-Analyse
AU - Dammerer, Quirin
AU - List, Ludwig
PY - 2026/12/4
Y1 - 2026/12/4
N2 - Die ökonomischen Auswirkungen von Verkürzungen der wöchentlichen Arbeitszeit werden seit Jahrzehnten wissenschaftlich erforscht. Da dietheoretischen Effekte teils ambivalent sind, versuchen StudienautorInnen die ökonomischen Auswirkungen empirisch abzuschätzen. In den empirischen Studien fehlt jedoch ebenfalls ein klarer Konsens zu Richtung und Höhe einzelner Effekte. Darüber hinaus betrachten bisherige Literaturüberblicke meist Teilbereiche der Ökonomie wie Beschäftigung oder Produktivität. Es fehlt jedoch eine Datenbank die den Forschungsstand zu den vielfältigen ökonomischen Effekten von Arbeitszeitverkürzungen systematisch und integriert zusammenfasst. In dieser Studie verfolgen wir zwei Ziele. Zunächst erstellen wir eine umfassende Datenbank von Studien, die die wirtschaftlichen Auswirkungen von wöchentlichen Arbeitszeitverkürzungen auf der Grundlage empirischer Daten abschätzen. Anschließend analysieren wir Teile der Literatur, die Auswirkungen auf die Beschäftigung, mittels einer Meta-Regressionsanalyse (MRA). Wir identifizieren 214 Studien, die die Auswirkungen einer wöchentlichen Arbeitszeitverkürzung in 30 Ländern und vier Regionen über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert analysieren. Die meisten Studien verwenden quantitative, insbesondere ökonometrische, Methoden und schätzen zum größten Teil die Auswirkungen von Arbeitszeitverkürzungen auf die Beschäftigung, die geleisteten Arbeitsstunden sowie auf Löhne und Einkommen. In kleinerer Zahl werden die Auswirkungen auf Produktivität, Output, Indikatoren auf Unternehmensebene, Arbeitsbedingungen, Kapital, Auswirkungen auf Partner, Gesundheit und Sicherheit sowie Preisen analysiert Die Datenbank, die wir für die MRA erstellt haben, umfasst 39 Studien und 1223 Schätzungen. Auf der Grundlage dieser Schätzungen führten wir zwei separate MRAs durch – eine zu den aggregierten Beschäftigungsveränderungen sowie eine zu den individuellen Wahrscheinlichkeiten, nach einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit beschäftigt zu sein. Über alle Länder und Zeiträume hinweg sind die Beschäftigungseffekte einer Verkürzung der wöchentlichen Normalarbeitszeit um eine Stunde im Allgemeinen statistisch nicht signifikant. Wir finden in der Literatur keine Hinweise auf Publikationsbias. Die Wahl der Methodik sowie die Auswahl der Kontrollvariablen und der einbezogenen fixen Effekte haben einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Ergebnisse. Wir stellen darüber hinaus fest, dass positive Beschäftigungseffekte historisch gesehen nur eines von vielen Zielen von wöchentlichen Arbeitszeitverkürzungen sind. Zu den weiteren genannten Motivationen zählen Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit, Wohlbefinden, Arbeitsbedingungen, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Wohlfahrt, Produktivität sowie strukturelle Wirtschaftsreformen.
AB - Die ökonomischen Auswirkungen von Verkürzungen der wöchentlichen Arbeitszeit werden seit Jahrzehnten wissenschaftlich erforscht. Da dietheoretischen Effekte teils ambivalent sind, versuchen StudienautorInnen die ökonomischen Auswirkungen empirisch abzuschätzen. In den empirischen Studien fehlt jedoch ebenfalls ein klarer Konsens zu Richtung und Höhe einzelner Effekte. Darüber hinaus betrachten bisherige Literaturüberblicke meist Teilbereiche der Ökonomie wie Beschäftigung oder Produktivität. Es fehlt jedoch eine Datenbank die den Forschungsstand zu den vielfältigen ökonomischen Effekten von Arbeitszeitverkürzungen systematisch und integriert zusammenfasst. In dieser Studie verfolgen wir zwei Ziele. Zunächst erstellen wir eine umfassende Datenbank von Studien, die die wirtschaftlichen Auswirkungen von wöchentlichen Arbeitszeitverkürzungen auf der Grundlage empirischer Daten abschätzen. Anschließend analysieren wir Teile der Literatur, die Auswirkungen auf die Beschäftigung, mittels einer Meta-Regressionsanalyse (MRA). Wir identifizieren 214 Studien, die die Auswirkungen einer wöchentlichen Arbeitszeitverkürzung in 30 Ländern und vier Regionen über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert analysieren. Die meisten Studien verwenden quantitative, insbesondere ökonometrische, Methoden und schätzen zum größten Teil die Auswirkungen von Arbeitszeitverkürzungen auf die Beschäftigung, die geleisteten Arbeitsstunden sowie auf Löhne und Einkommen. In kleinerer Zahl werden die Auswirkungen auf Produktivität, Output, Indikatoren auf Unternehmensebene, Arbeitsbedingungen, Kapital, Auswirkungen auf Partner, Gesundheit und Sicherheit sowie Preisen analysiert Die Datenbank, die wir für die MRA erstellt haben, umfasst 39 Studien und 1223 Schätzungen. Auf der Grundlage dieser Schätzungen führten wir zwei separate MRAs durch – eine zu den aggregierten Beschäftigungsveränderungen sowie eine zu den individuellen Wahrscheinlichkeiten, nach einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit beschäftigt zu sein. Über alle Länder und Zeiträume hinweg sind die Beschäftigungseffekte einer Verkürzung der wöchentlichen Normalarbeitszeit um eine Stunde im Allgemeinen statistisch nicht signifikant. Wir finden in der Literatur keine Hinweise auf Publikationsbias. Die Wahl der Methodik sowie die Auswahl der Kontrollvariablen und der einbezogenen fixen Effekte haben einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Ergebnisse. Wir stellen darüber hinaus fest, dass positive Beschäftigungseffekte historisch gesehen nur eines von vielen Zielen von wöchentlichen Arbeitszeitverkürzungen sind. Zu den weiteren genannten Motivationen zählen Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit, Wohlbefinden, Arbeitsbedingungen, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Wohlfahrt, Produktivität sowie strukturelle Wirtschaftsreformen.
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