Ergebnisqualität in Wiener Tageszentren - eine qualitative Analyse

Birgit Trukeschitz, Katrin Fliegenschnee

Publication: Working/Discussion PaperWU Working Paper

Abstract

Im Zuge der demographischen Alterung unserer
Gesellschaft steigt die Zahl der älteren Menschen an, die nicht mehr in der Lage sind,
ihren Alltag alleine zu bewältigen. Eine Möglichkeit, diese Personen zu betreuen und zu
pflegen, bieten teilstationäre Einrichtungen, wie Tageszentren. Diese Studie wirft nun
einen Blick darauf, wie sich der Besuch eines Tageszentrums auf das Wohlbefinden der
Gäste auswirkt und widmet sich damit der Ergebnisqualität dieser Einrichtungen. Wir
prüften, ob die Domänen der dienstleistungsbezogenen Lebensqualität, die ASCOT (adult
social care outcome toolkit) zugrunde liegen, sich für das Setting Tageszentren eignen,
um Ergebnisqualität zu erfassen. Desweiteren waren wir daran interessiert zu ermitteln,
welche Erfahrungen BesucherInnen in Tageszentren machen und wie sich diese
Erfahrungen den einzelnen Domänen der Lebensqualität nach ASCOT zuordnen lassen.
Methode: In dieser Pilotstudie wurden zwölf problemzentrierte Interviews mit
BesucherInnen von aus zwei Tageszentren in Wien geführt und eine
Fokusgruppendiskussion mit drei MitarbeiterInnen veranstaltet. Für die Auswertungen
wurde die Grounded Theory mit Elementen der qualitativen Inhaltsanalyse kombiniert.
Ergebnisse: Die Domänen der Lebensqualität, wie sie in ASCOT enthalten sind, eignen
sich sehr gut als konzeptioneller Rahmen für die Untersuchung möglicher
betreuungsbezogener Einflüsse auf die Lebensqualität der BesucherInnen von
Tageszentren. Die acht Domänen öffnen den Blick auf unterschiedliche Aspekte der
Lebensqualität von Menschen, die Betreuungs-/Pflegedienstleistungen in Anspruch
nehmen. Hin und wieder waren Aussagen zu finden, die sich auf mehrere Bereiche der
Lebensqualität bezogen; auch konnten Zielkonflikte ermittelt werden (z.B. Sicherheit
versus Selbstbestimmung). Desweiteren wurden unterschiedliche Gewichtungen der
Lebensqualitätsbereiche in den Gesprächen indirekt zum Ausdruck gebracht. Insgesamt
führen die Aussagen der InterviewpartnerInnen, die sich in Tageszentren einleben
konnten, zum Gesamteindruck, dass der Besuch des Tageszentrums in ihnen das positive
Gefühl weckt, dass dort "Leben" ist.
Schlussfolgerung: Es braucht eine breite, offene Zugangsweise, um die mögliche
Vielfalt der Effekte von Tageszentren auf die Lebensqualität der BesucherInnen zu
erfassen. Die Illustrationen zu den einzelnen Domänen vertiefen das Verständnis dieser
Ergebnisqualitätskomponenten von ASCOT und bieten Ansatzpunkte für weitere
Entwicklungen. Die Beschreibung einrichtungsspezifischer Muster, z.B. welche Typen von
BesucherInnen in welchem Ausmaß wie vom Besuch eines Tageszentrums profitieren,
kann mit den angewandten qualitativen Methoden nicht beantwortet werden und bleibt
daher weiterführenden Studien vorbehalten. (Autor/inn/enref.)
Original languageGerman (Austria)
Place of PublicationVienna
PublisherForschungsinstitut für Altersökonomie, WU Vienna University of Economics and Business
Publication statusPublished - 2012

Publication series

NameForschungsberichte des Forschungsinstituts für Altersökonomie
No.4/2012

WU Working Paper Series

  • Forschungsberichte des Forschungsinstituts für Altersökonomie

Cite this