Abstract
Der Artikel erkundet die Potenziale für gutes Wohnen und gute Sorge in der gegenwärtigen Zeit einer grundlegenden Transformation. Er identifiziert zwei Vorstellungen (imaginaries) von Habitation (Behausung), die unterschiedliche Perspektiven auf gute Sorge und gutes Wohnen bieten, und beschreibt Perioden historisch wechselnder, vielfältiger und oft widersprüchlicher Entwicklungen im Rahmen der Dialektik von „Verbesserung“ (improvement) und „Habitation“. Er stützt sich dabei auf die kulturelle politische Ökonomie, um Vorstellungen als „mentale Landkarten“ zu erforschen, die mit politisch-ökonomischen Dynamiken verflochten sind; auf Karl Polanyi, um historische Dynamiken von Verbesserung und Habitation zu beschreiben; und auf den feministischen Marxismus, um den Kapitalismus als institutionalisierte soziale Ordnung zu analysieren. Er untersucht die gegenwärtigen Kämpfe für gute Sorge und gutes Wohnen und beschreibt die derzeit vorherrschende, jedoch nur vermeintlich schützende Gegenbewegung. Diese reaktionäre Gegenbewegung legitimiert sich durch eine Vorstellung von Habitation, die sich auf das Private, den Markt, die Familie und die Nation stützt, während sie gleichzeitig ein Projekt der neoliberalen Verbesserung radikalisiert. Die daraus resultierende privatisierte und monetarisierte Bereitstellung von Sorge und Wohnen ist für transnationale Unternehmen, internationale Finanzinstitutionen und die besitzenden Klassen attraktiv, führt aber zu einer ungleichen und mangelhaften Bereitstellung von Sorge und Wohnraum für diejenigen, denen es an finanziellen Ressourcen fehlt, und hält die geschlechtsspezifische Aufteilung der unbezahlten Sorgearbeit aufrecht. Die Analyse eröffnet einen Raum, um eine alternative Vorstellung einer inklusiven, nachhaltigen und fürsorglichen Habitation voranzutreiben, in der Menschen als soziale und biophysische Wesen gesehen werden. Ausgehend von einer solchen Vorstellung rückt eine Strategie der lokal verbundenen, kollektiven Versorgung in den Bereich des Möglichen, die die Alltagsökonomie stärkt und die planetarischen Grenzen respektiert.
| Translated title of the contribution | Gutes Wohnen und gute Sorge in Zeiten der Transformation |
|---|---|
| Original language | English |
| Journal | Berliner Journal für Soziologie |
| DOIs | |
| Publication status | E-pub ahead of print - 17 Oct 2025 |
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